Als dritte der fünf Säulen im Islam hat das Fasten das eigentliche Ziel, Gottes Wohlgefallen zu erlangen. Deshalb wird am Tage keine Nahrung aufgenommen und so die Enthaltsamkeit des Menschen dargelegt. Für alles gibt es eine Spende; und die Spende des Körpers ist das Fasten. Durch Zekat, die Pflichtgabe, reinigt der Mensch sein Vermögen und durch das Fasten seinen Körper. Denn während dieser Zeit bemüht sich der Gläubige, sich von unreinen Gedanken loszureißen. Hier haben wir auch die Möglichkeit, unsere Dankbarkeit gegenüber Gott für seinen unendlichen Segen zu beweisen.
Lasst uns mit all unseren Organen fasten
Muslime sind ab der Pubertät diesem Gebot verpflichtet. Durch das Fasten vermeidet der Mensch, Schlechtes zu begehen. Das Fasten hilft, Menschen vor Sünden und somit vor der Ferne Gottes im Diesseits und Jenseits zu bewahren. Der Fastende erreicht die spirituelle und die körperliche Ruhe, wenn er sich nicht auf Hunger und Durst beschränkt. Denn der Sinn des Fastens ist nicht allein, den Magen vor Genüssen zu bewahren, vielmehr sollen sich alle Organe des Menschen ihres Pflichtgefühls bewusst werden, damit der Mensch seine Dankbarkeit gegenüber Allah innerlich spüren kann.
Der Mensch sollte in der Lage sein, seinem Ego, wenn es übermäßige Wünsche hat, Widerstand zu leisten und seine Wut zu bewältigen. Er sollte vermeiden, anderen Schaden zuzufügen und den Frieden zu stören. Denn der Mensch ist für das Stiften von Frieden auf Erden da. Durch das Fasten trainiert der Mensch, mit seinem Willen umzugehen und seine Triebe unter Kontrolle zu halten. Die Freigebigkeit beim Iftar lehrt den Menschen, zu bewirten und zu teilen.
Iftar ist das Abendessen, das unmittelbar nach Sonnenuntergang zum Fastenbrechen eingenommen wird. Das Tarawih-Gebet stärkt in der Gemeinde das Teilen von Gefühlen wie Freude und Eifer. Es ist das Gebet, das nachts speziell im Ramadan zusammen mit dem täglichen Nachtgebet verrichtet wird. Sahur zeigt uns, was Nutzen und Segen sind. Es ist das Essen, mit dem man sich vor dem Beginn des Fastens bei Frühlicht für das Fasten tagsüber stärkt.
Wenn unsere Rituale, die wir tagtäglich verrichten, unsere ethischen Werte und unser Sozialverhalten nicht bemerkenswert beeinflussen, kann dies ein Zeichen für unser Fehlverhalten in unserem religiösen Leben/Alltag sein.
Es ist mit Vorsicht zu betrachten, das Fasten auf Hunger, Durst und den Verzicht auf Beischlaf zu beschränken. Das Fasten lehrt den eiligen Menschen auch, die Ruhe zu bewahren. Es lehrt ihn, seine unendlichen Wünsche und Triebe unter Kontrolle zu halten. Es hilft ihm, keine Sünden zu begehen.
Durch das Fasten können die Fastenden die Situation der hilfsbedürftigen Menschen viel besser nachvollziehen, wenn sie das gleiche Leid zu spüren bekommen. Menschliche/humane Werte wie Hilfsbereitschaft werden in den Vordergrund gebracht, und somit entwickeln sich unsere ethisch-moralischen Werte weiter, wie Gott, der Barmherzige, es wünscht. Allah hat es sicherlich nicht nötig, dass wir eine Zeit lang hungern. Um seinetwillen werden wir tagsüber zwar nicht speisen, aber der wahre Sinn des Fastens ist es, die menschlichen Werte in uns zu verbessern.
Unser Prophet Muhammed (Friede sei mit ihm) erklärt dieses Gebot der Aufrichtigkeit folgendermaßen:
„Wer nicht aufhört, zu lügen und nach der Lüge zu handeln, bei dem legt Allah keinen Wert darauf, dass er auf sein Essen und Trinken verzichtet.“ (Buhârî, Savm 8)
In einer weiteren Überlieferung teilt er mit:
„Wer die Nächte des Ramadan im Glauben und in Erwartung des Lohnes (von Allah) im Gebet verbringt, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben.“ (Buhârî, Îmân 27; Muslim)
Nutzen des Fastens
- verbessert unsere ethischen Werte
- bewahrt uns vor Schlechtem
- lehrt den Menschen, gütig zu sein – durch das Fasten können die Menschen das Leid der Hilfsbedürftigen besser empfinden
- macht den Menschen körperlich und spirituell gesund
- bringt dem Menschen Geduld bei
- lehrt den Menschen, den wahren Wert des Segens zu verstehen
Menschen erreichen – Arme, Alleinstehende und Waisen
Der Ramadan bereitet unsere Seele und unseren Geist auf die bevorstehende unendliche Reise, die Rückkehr zu Allah, vor. Die Spenden – Fitre, die ramadantypische Abgabe an Arme und Bedürftige, und Zekat, die Pflichtabgabe der Wohlhabenden an die Armen und Bedürftigen, jährlich 2,5 Prozent des eigenen Hab und Guts – heilen die sozialen Wunden. Durch das Ramadanfest bewegt sich die Gesellschaft in Gnade, Einheit und Begeisterung.
Mevlana ar-Rumi, Yunus Emre, Ahmed Yesevi, Haci Bektaş Veli und viele weitere muslimische Mystiker, die sich mit der Lehre des Islam intensiv beschäftigten, haben den Ramadan als eine Gelegenheit verstanden, die spirituellen Werte zu erziehen. Sie bezeichnen den Ramadan als einen Monat der Gnade und der Liebe.
Der Prophet sagt:
„Das Fasten ist ein Schutz; so soll er (während des Fastens) weder Schändlichkeit noch Torheit begehen; und wenn jemand ihn zum Zweikampf auffordert oder beschimpft, soll er ihm zweimal sagen: ‚Ich faste.‘“
Eine wichtige Funktion dieser Zeit ist es, den Menschen, der sich in der heutigen Gesellschaft immer mehr von seinem sozialen Umfeld losreißt, allein ist und sich immer mehr von menschlichen Werten entfremdet hat, für das gemeinschaftliche Leben zurückzugewinnen und wieder einzugliedern.
Seit dem Fastengebot vor ca. 1400 Jahren haben Muslime diesen Monat als eine Gelegenheit betrachtet, die Gerechtigkeit und Hilfsbereitschaft unter den Menschen zu verbreiten. In der gesamten Phase haben sie sich bemüht, Hungersnöten entgegenzuwirken, armen Menschen zu helfen und die Waisen zu unterstützen. Diese dauerhafte Tat ist gewiss ein beispielhafter Vorzug.
Der Ramadan sollte kein Ereignis sein, in dem Menschen sich nur in ihrem eigenen Leben bewegen und in ihrem eigenen Haus allein speisen. Mögen die Tage im Ramadan tief im Herzen empfunden werden, mit all ihrer Schönheit und in Gemeinsamkeit, zusammen mit Armen und verwundeten Menschen.
Wir bitten Gott, dass er uns im Monat Ramadan Frieden, Zufriedenheit und Wohlbehagen gibt und unsere Tafel mit seinem Segen und mit Frömmigkeit füllt.